Aquarium - Unterwasserwelt

Zebrafische auf Erkundungstour

Aquarien sind vielfach ungenügend eingerichtet und bieten keine Abwechslung. Die Fische langweilen sich, was ihrem Wohlbefinden abträglich ist. Denn Fische sind neugierige Tiere und nehmen Gelegenheiten, Neues zum Erkunden, gerne an, wie diese Studie zeigt (Franks 2023).

Neugier treibt Tiere an, ihre Umwelt zu erkunden. Sie erhalten dadurch überlebenswichtige Informationen, die es den Tieren ermöglichen, beispielsweise bessere Nahrung zu finden oder Gefahren zu erkennen.

Das Bedürfnis nach Erkunden können Tiere in monoton und reizlos eingerichteten Gehegen oder Aquarien kaum decken. Was dazu führen kann, dass sie sich langweilen. Durch Langweile können Tiere jedoch depressiv werden oder Verhaltensstörungen entwickeln, was bedeutende Tierschutzprobleme sind (Meagher 2019).

Unbekannte Objekte als Anreicherung

Die kognitive Anreicherung ist eine Möglichkeit, den Alltag von Tieren etwas interessanter zu gestalten (s. die Seite Die Umwelt anreichern). Daher haben die Autorinnen in dieser Studie 30 verschiedene Objekte (s. Abb. 1a und b) auf ihren Erkundungswert für Zebrafisch (Danio rerio) getestet. Gruppen à je 10 Individuen durften jeweils während 10 Minuten ein Objekt erkunden, wobei die Reihenfolge der präsentierten Objekte bei allen Gruppen möglichst zufällig variiert wurde, d.h. alle Objekte wurden den Gruppen zu unterschiedlichen Zeitpunkten während der Studie präsentiert.

Die Neugier ist geweckt

Zu Beginn der Studie weckten die ersten 10 präsentierten Objekte durchaus die Neugier der Zebrafische. Sie näherten sich den Objekten jeweils sehr schnell und inspizierten sie. Das Interesse hielt jeweils während der ganzen 10 Minuten an. Allerdings interessierten sie sich für manche Objekte mehr als für andere. Die Forscher:innen hatten die Objekten zuvor anhand von drei Kriterien – Komplexität, ökologische Relevanz und Ähnlichkeit mit Fressfeinden – beschrieben. Allerdings konnten diese Zuschreibungen nicht erklären, was diese Objekte für die Fische attraktiv machte.

Zebrafische nehmen Objekte anders wahr als der Mensch

Aus Sicht der Zebrafische waren möglicherweise andere Merkmale interessant, wie z.B. chemische Eigenschaften, die zusätzliche sensorische Inputs lieferten. So war eine weisse Muschel, die aus menschlicher Sicht als biologisch relevanter beurteilt wurde, für die Fische ähnlich interessant wie ein pinker Ball (s. Abb. 2). Scheinbar waren die beiden Dinge für die Fische ähnlich komplex oder ungewöhnlich, Merkmale, die die Neugier der Fische wecken konnten.

Gegen Ende der Studie, als die letzten 10 Objekte präsentiert wurden, näherten sich die Zebrafische zwar weiterhin schnell, aber das Interesse war für alle Objekte relativ einheitlich und hielt zudem weniger lang an. Möglicherweise gewöhnten sich die Zebrafische im Verlauf der Studie an die Aufgabe. Zudem lieferten die statischen Objekte, die die Fische nicht manipulieren konnten, wohl zu wenig neue Informationen. Bewegliche, interaktive oder veränderliche Objekte könnten für die neugierigen Fische interessanter sein.

Abb. 2 Interesse an den Objekten zu Beginn der Studie

Abb. 2: Abgebildet sind die 30 Objekte und das Interesse der Zebrafische (interest score) zu Beginn der Studie. Von den 10 Minuten, während derer die Fische die Objekte inspizieren konnten, wurden jeweils die ersten und die letzten 100 Sekunden analysiert. Die Zebrafische interessierten sich für manche Objekte mehr als für andere: Beispielsweise interessierten sie sich für die "Raupe" (caterpillar) stärker als für die "Küchenschabe" (cockroach) und am wenigsten für die "violette Tasse" (purple cup). Die Variablität war während der ersten 100 Sekunden zudem grösser (© Franks 2023).

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Kognitive Stimulation erhöht das Wohlbefinden

Die Resultate zeigten, dass sich Zebrafische kognitiv stimulieren lassen. Insbesondere zu Beginn der Studie verstärkte sich durch die Erkundungsmöglichkeiten zum einen der Zusammenhalt zwischen den Individuen (siehe Graham 2018 "Gemeinsam neues Gebiet erkunden") und zum andern zeigten sie weniger aggressives Verhalten und «Abtauchen». Dieses Verhalten ist ein wichtiger Indikator für beeinträchtigtes Wohlbefinden, denn verängstigte und gestresste Zebrafische halten sich vermehrt am Boden auf (Cachat 2010).

Die Zebrafische profitieren nachweislich von Massnahmen, die ihre kognitiven Fähigkeiten anregen. Denn sie sind neugierig, lernfähig und erkundungsfreudig. In der Haltung sollten wir ihnen also ermöglichen, positive und angenehme Erfahrungen machen zu können.

Literatur

Franks, B., Gaffney, L. P., Graham, C., & Weary, D. M. (2023). Curiosity in zebrafish (Danio rerio)? Behavioral responses to 30 novel objects. Frontiers In Veterinary Science, 9. (abstract)
Meagher, R. K. (2019). Is boredom an animal welfare concern?. Animal Welfare, 28, 21-32. (abstract)
Cachat, J., Stewart, A., Grossman, L., Gaikwad, S., Kadri, F., Chung, K. M., et al. (2010). Measuring behavioral and endocrine responses to novelty stress in adult zebrafish. Nature Protocols, 5, 1786-1799. (abstract)