Aquarium - Unterwasserwelt

Guppys fühlen sich abwechslungsreich eingerichteten Aquarien wohler

Angereicherte Bedingungen lösen diverseres Verhalten aus und wirken Stress entgegen (Manenti 2025).

Mit dem Konzept der Umweltanreicherung (Environmental enrichment) will man die Verhaltensdiversität und das Normalverhalten fördern, abnormales Verhalten reduzieren und die Raumnutzung verbessern. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sich das Wohlbefinden von Fischen in angereicherten Aquarien verbessert.

In dieser Studie wurden Guppys in gemischtgeschlechtlichen Gruppen aus 20 Individuen unter drei Bedingungen gehalten: in Aquarien ohne Anreicherung, die der üblichen Laborhaltung entspricht, in Aquarien mit einem verzweigten Stück Holz und in Aquarien mit dem verzweigten Stück Holz plus 4 im Sand wachsende Pflanzen und 6 Schwimmpflanzen auf der Wasseroberfläche. Als Parameter für das Wohlbefinden wurden verschiedene Verhaltenselemente (Schwimmen, Fress- und Sozialverhalten, aggressives Verhalten) sowie das Stresshormon Cortisol gemessen. 

Diverseres Verhalten mit Enrichment

Die Guppys zeigten in den Aquarien mit der Pflanzen-Holz-Anreichung ein diverseres Verhalten als unter den beiden anderen Bedingungen. Sie schwammen mehr herum, allerdings vermehrt einzeln als in der Gruppe, vermutlich weil das Pflanzenenrichment das Gruppenschwimmen etwas einschränkte. Zudem zeigten sie mehr Paarungsverhalten und hielten sich mehr an der Oberfläche auf. Guppys haben ein oberständiges Maul und picken oft Nahrung von der Wasseroberfläche. Pflanzen und Holz sind also Futterressourcen und können daher als Fütterungsenrichment dienen. Zudem bietet ein solches Enrichment auch Deckung. Denn hatten die Guppys nur das Holz zur Verfügung, versteckten sie sich häufiger. Das zeigt, dass die Pflanzen den Fischen zusätzliche Sicherheit gaben.

Zwar nahmen die Aggressionen in allen Bedingungen ab und stabilisierten sich nach 5 Wochen. Dennoch zeigten die Guppys unter der Bedingung mit viel Anreicherung mehr Beissverhalten. Die Autor:innen merken an, dass ein Enrichment zu mehr Aggressionen führen kann, insbesondere bei territorialen Fischen. In dieser Studie stellten sie dies jedoch in Zusammenhang mit dem Werbeverhalten, da die Männchen um die Weibchen konkurrierten. Tatsächlich gab es nur unter dieser Bedingung auch Nachwuchs.

Stresshormon Cortisol erhöht ohne Anreicherung 

Als Ergänzung zum Verhalten massen die Autor:innen über das Aquarienwasser zudem das Stresshormon Cortisol als physiologischen Parameter. Dieser war unter der Bedingung ohne Enrichment signifikant höher als unter den beiden Enrichmentbedingungen. Im Transportbeutel, in dem die Guppys vom Verkaufsladen ins Labor transportiert wurden, war der Spiegel indes am höchsten, was den Transport als sehr stressiges Ereignis für die Fische bestätigt.

Die Resultate zeigen, dass Guppys von einer abwechslungsreichen Einrichtung profitieren und ein diversers Verhalten zeigen können. Dies ist nicht nur für die Aquarienhaltung relevant, sondern auch für Verhaltensstudien, die unter Laborbedingungen durchgeführt werden.
 

Literatur

Manenti, I., Sicuro, B., Macchi, E., Ponzio, P., Crosetto, R., Cavallari, S., … Mugnai, C. (2025). Effect of different levels of environmental enrichment on the welfare of guppy (Poecilia reticulata). Frontiers in Fish Science, 3. (abstract)